#Drop16 – Selbstliebe: Erkenntnisse, die mein Leben verändert haben

In den letzten Monaten und Jahren ist mir immer wieder derselbe Text begegnet: „Als ich mich selbst zu lieben begann“. In ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Und jedes Mal hat er mich tief berührt – und jedes Mal schien er genau zu dem zu passen, was gerade in meinem Leben los war.

Bekannt geworden ist er als Rede von Charlie Chaplin. In Wahrheit stammt er von der Autorin Kim McMillen. Weil er mich nie ganz losgelassen hat, möchte ich hier meine eigenen Gedanken zum Thema Selbstliebe aufschreiben – und davon erzählen, was die acht Ideen aus diesem Text für mich im Alltag bedeuten.

Ich hoffe, dieser Artikel schenkt dir einen Impuls, der bei dir ankommt. Und falls du den Text noch nicht kennst, wünsche ich dir, dass du ihn für dich entdeckst – und das, was dahinter steckt.

Junger Keimling wächst im Wald bei warmem Morgenlicht – Symbolbild für Selbstliebe und persönliches Wachstum
Inhaltsverzeichnis
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    1. Vertrauen – Warum du genau da bist, wo du sein sollst

    An dieser Stelle möchte ich kurz aus eigener Erfahrung berichten: Vor einigen Jahren habe ich mich auf das Angebot eines Bekannten eingelassen, dem ich vertraut habe – mehr Verantwortung, mehr Verdienst, ein komplett neuer Weg. Dafür habe ich meinen sicheren Job gekündigt. Mir war bewusst, dass das ein Risiko ist – aber mein Bauchgefühl und mein Vertrauen in diese Person waren stärker. Es hat sich schnell herausgestellt, dass hinter dem großen Versprechen nicht viel steckte. Nach kurzer Zeit war klar: Daraus wird nichts. Ich stand ohne Job da und fühlte mich ziemlich verunsichert. In den Wochen danach habe ich mich immer wieder gefragt, warum mir ausgerechnet das passieren musste.

    In dieser scheinbar ausweglosen Situation habe ich mich nicht unterkriegen lassen und eine neue Stelle in einem anderen Unternehmen gefunden. Und über diese neue Stelle wiederum bin ich zu einer gekommen, die um so vieles besser war als alles, was ich vorher hatte – in jeder Hinsicht. Meinen ursprünglichen, sicheren Job hätte ich aber nie verlassen, wäre da nicht dieses eine, gescheiterte Angebot gewesen.

    Mitten in so einer Situation ist der Sinn dahinter kaum zu erkennen. Erst im Rückblick fügt sich alles zusammen. Für mich bedeutet Vertrauen seitdem etwas anderes: nicht der Glaube, dass alles sofort perfekt laufen muss. Auch wenn sich eine Situation im ersten Moment schlecht anfühlt, heißt das noch lange nicht, dass sie es wirklich ist. Entscheidend ist, wie du damit umgehst – das Beste daraus zu machen und dabei schon diesen leisen Gedanken zuzulassen: Wer weiß, wofür das gut ist. Das passiert sicher nicht einfach so. Das ist für mich Vertrauen – Vertrauen in den Fluss des Lebens.

    2. Authentisch sein – Wie emotionaler Schmerz zum Wegweiser wird

    Lange habe ich negative Emotionen nur als etwas behandelt, das weg muss – am liebsten sofort, egal wie. Erst später habe ich verstanden: Sie zeigen selten nur, dass etwas wehtut. Oft zeigen sie, dass etwas nicht stimmt – mit einer Entscheidung, einer Beziehung, einer Rolle, die ich spiele, obwohl sie nicht zu mir passt.

    Das ist ein Perspektivwechsel, der sich zunächst unbequem anfühlt – man muss sich ja erst einmal erlauben, diese Gefühle zuzulassen und sie wirklich zu fühlen, statt sie zu unterdrücken. Sie als Warnsystem zu sehen statt als Störung, heißt, ihnen zuzuhören, statt sie wegzudrücken. Nicht jeder unangenehme Gedanke ist ein Alarm. Aber wiederkehrende, hartnäckige Gefühle meistens schon.

    3. Reife – Aufhören, dir ein anderes Leben zu wünschen

    Bei mir begann alles mit einer langen Suche im Außen – ich bin Idealen hinterhergejagt, die gar nicht meine waren. Wünschen, die andere für mich formuliert hatten, ohne dass ich sie je hinterfragt hätte.

    Als mich nichts davon wirklich erfüllt hat, kam eine Phase der Verzweiflung. Und aus dieser Verzweiflung heraus habe ich angefangen, nach innen zu schauen, statt weiter nach außen zu suchen. Dort fand ich Themen, die schon lange darauf gewartet hatten, angesehen zu werden. Und die Erkenntnis, dass ich in vielen Momenten gar nicht wirklich ich selbst war.

    Dieser Prozess ist bei mir bis heute nicht abgeschlossen. Ich glaube auch nicht, dass er sich in diesem Leben je ganz abschließen lässt. Aber der erste Wendepunkt war klar: der Moment, in dem ich aufgehört habe, im Außen nach etwas zu suchen, das nur im Innen zu finden war – für mich der eigentliche Startpunkt von Selbstliebe.

     

    „Das Tragische im Leben vieler Menschen ist, dass sie überall nach Selbstwertgefühl suchen, nur nicht in ihrem Inneren.“ –Nathaniel Branden

    4. Ehrlichkeit – Dein eigenes Tempo, deine eigene Freude

    Es gibt eine selbsterzeugte, unterschwellige Erwartungshaltung, die sich in vieles einschleicht: das Gefühl, nie ganz zu genügen – immer noch etwas schneller oder besser machen zu müssen. Diese Erwartungshaltung hat selten etwas mit echter Freude zu tun – meistens mit einem Vergleich, den niemand von außen fordert, den wir uns aber selbst auferlegen. Und genau das macht es so tückisch: Zum Stress, der im Alltag ohnehin schon reichlich vorhanden ist, kommt dann noch dieser selbstgemachte Druck obendrauf – ein Druck, den im Grunde niemand wirklich braucht.

    Ehrlich zu sich selbst zu sein bedeutet, das eigene Tempo zu akzeptieren. Nicht jedes Ziel muss in diesem Jahr erreicht werden. Nicht jede Freude muss produktiv sein. Manchmal ist die ehrlichste Frage einfach: Macht mir das gerade wirklich Spaß – oder tue ich es, weil ich glaube, es tun zu müssen?

    5. Selbstliebe – Loslassen, was dich klein hält

     

    „Ich entscheide mich bewusst dafür, mich selbst zu lieben.“ –Louise L. Hay

    Irgendwann habe ich mich von Freundschaften getrennt, in denen sich fast alles um dieselben Dinge drehte: über andere reden (lästern), Neid und allerlei Belangloses, das reiner Zeitvertreib war. Ein bisschen davon ist völlig in Ordnung und gehört zum Leben dazu. Besteht das Miteinander aber überwiegend daraus, wird es zur Flucht – vor den Themen, die wirklich wichtig wären und über die man lieber nicht reden möchte. Mit der Zeit habe ich immer deutlicher gespürt, wie sehr mich diese Kontakte auslaugten.

    Selbstliebe heißt für mich, mich an erste Stelle zu setzen. Das hat wenig mit Egoismus zu tun – eher mit der Erkenntnis: Nur wenn es mir selbst gut geht, kann ich wirklich für andere Menschen da sein. Dazu gehört auch, auf meinen Körper zu hören. Ihn gut zu behandeln, mit ihm zusammenzuleben statt gegen ihn. Seine Signale ernst zu nehmen, ihn zu pflegen – körperlich wie geistig. Und aufzuhören, mich selbst kleinzureden oder herabzuwürdigen, wenn mir mal ein Fehler unterläuft.

    Ein Gedanke, der mir dabei besonders hängen geblieben ist: Viele von uns lernen schon früh, sich selbst eher wie ein Projekt zu behandeln als wie jemanden, dem man vertraut. Wir wachsen in einem Umfeld auf, das stark auf Leistung und Außenwirkung ausgerichtet ist – und übernehmen mit der Zeit die Frage „Was wird von mir erwartet?“ anstelle von „Was will eigentlich aus mir heraus?“. Aus dieser Gewohnheit entsteht über Jahre ein leiser, aber ständiger innerer Kampf gegen sich selbst.

    Diesen Kampf zu unterbrechen, beginnt selten damit, sich selbst schon vollständig zu verstehen. Meistens beginnt es mit einem klaren JA – zu dem, was gerade da ist, auch zu dem, was man an sich selbst lieber anders hätte. Dabei geht es weniger darum, dass daran alles gut wäre. Es geht darum, dass man sich selbst erst wirklich kennenlernen kann, wenn man aufhört, sich gleichzeitig zu bekämpfen. Man muss nicht schon wissen, wer man ist, um trotzdem anzufangen, Ja zu sich zu sagen.

    Forschungen zur Selbstfürsorge, etwa von der Psychologin Kristin Neff, bestätigt diesen Zusammenhang: Wer sich selbst mit Freundlichkeit statt mit harter Kritik begegnet, ist nachweislich belastbarer – nicht selbstbezogener oder rücksichtsloser gegenüber anderen, wie oft befürchtet wird.

     

    „Sprich mit dir selbst wie mit jemandem, den du liebst.“ –Brené Brown

    6. Demut – Die Freiheit, nicht immer recht zu haben

    Recht haben zu wollen kostet mehr Energie, als es bringt. Fast jeder Streit, der eskaliert, hat weniger mit dem eigentlichen Thema zu tun als damit, dass beide Seiten unbedingt gewinnen wollen.

    Dahinter steckt oft ein inneres Nein – ein Nein zu einer anderen Meinung, zu einer Situation, manchmal sogar zu sich selbst. Dieses Nein fühlt sich meist vernünftig an, ist bei genauerem Hinsehen aber häufig nur die stille Überzeugung, es besser zu wissen als die Realität, die gerade vor einem liegt.

    Auf der Oberfläche geht es tatsächlich oft ums Rechthaben. Auf einer tieferen Ebene aber geht es fast immer um etwas anderes: um ungelöste Themen in einem selbst, die durch den Streit einfach nur getriggert werden. Ein bestimmter Tonfall, ein Vorwurf, eine Reaktion – und im Unterbewusstsein läuft ein altes Programm ab, ohne dass man es in dem Moment überhaupt bemerkt. Wer sich dessen bewusst wird, kann Streit sogar als Werkzeug nutzen: als Hinweis darauf, wo in einem selbst noch etwas auf Klärung wartet. Das lässt sich dann in Ruhe anschauen – zum Beispiel in der Meditation – und Schritt für Schritt auflösen. Auch das ist am Ende eine Form von Selbstliebe.

    Demut bedeutet hier nicht, sich kleinzumachen. Sie bedeutet, den eigenen Standpunkt zu vertreten, ohne ihn krampfhaft verteidigen zu müssen. Wer aufhört, ständig recht haben zu wollen, macht paradoxerweise weniger Fehler – weil Raum entsteht, um wirklich zuzuhören, statt nur auf die eigene Antwort zu beharren.

    7. Bewusstheit – Leben im Jetzt statt in Vergangenheit und Zukunft

    Am klarsten spüre ich das, wenn ich allein in der Natur unterwegs bin oder in der Meditation sitze. Kein Grübeln über Vergangenes, keine Sorge um das, was noch kommt. Nur das, was gerade ist.

    Oft merkt man das gar nicht sofort. Ich schneide zum Beispiel Gemüse – und bin dabei überhaupt nicht wirklich beim Gemüseschneiden. Wie es sich anfühlt, wie es klingt, wie es riecht: All das läuft nebenbei, während meine Gedanken längst bei der Mittagsplanung sind. Oder ich gehe spazieren, und mein Kopf ist beim Einkaufszettel. Der Körper ist da, der Geist woanders. Genau dieses Bemerken – immer wieder aufs Neue – sorgt dafür, dass man den Alltag schon viel bewusster wahrnimmt.

    Diese Momente lassen sich nicht erzwingen, aber sie lassen sich einladen. Ein Spaziergang ohne Handy. Ein paar Minuten Stille am Morgen. Bewusstheit ist kein Zustand, den man dauerhaft hält – eher eine Tür, durch die man immer wieder gehen darf, sooft man sie findet.

    8. Herzensweisheit – Wenn Verstand und Herz sich verbünden

    Der Verstand allein neigt dazu, alles zu analysieren, zu bewerten, zu vergleichen – bis er sich selbst im Kreis dreht. Das Herz allein wiederum kann impulsiv sein, ohne Halt. Erst im Zusammenspiel entsteht etwas Drittes: eine Klarheit, die weder rein rational noch rein gefühlt ist.

    Diese Verbindung lässt sich üben. Eine Entscheidung erst durchdenken – und sie dann noch einmal fühlen, bevor man sie trifft. Beide Stimmen ernst zu nehmen, ist am Ende oft der Unterschied zwischen einer Entscheidung, die sich richtig anfühlt, und einer, die nur richtig aussieht.

    9. Eine kurze Reflexionsübung zur Selbstliebe

    Bevor du weiterliest oder den Tag weitermachst – nimm dir, wenn du magst, einen Moment für diese Fragen. Es gibt keine richtigen Antworten, nur ehrliche.

    • Woran hältst du gerade fest, das dir eigentlich nicht mehr guttut?
    • Wann hast du dir zuletzt selbst mit Härte begegnet, wo Freundlichkeit gereicht hätte?
    • Welcher deiner Wünsche stammt wirklich von dir – und welcher von jemand anderem?
    • Wann warst du zuletzt ganz im Moment, ohne an vorher oder nachher zu denken?

    10. Fazit – Mehr Einladung als Anleitung

    Diese acht Erkenntnisse rund um Selbstliebe sind kein Programm, das man der Reihe nach abarbeitet. Manche öffnen sich leicht, andere brauchen Jahre – bei mir war das nicht anders. Manche sind noch lange nicht abgeschlossen.

    Vielleicht ist das auch gar nicht der Punkt. Vielleicht sind es einfach acht Türen, durch die man immer wieder gehen darf. Mal öffnet sich die eine leichter, mal eine andere. Und jedes Mal, wenn man hindurchgeht, versteht man ein bisschen besser, was Selbstliebe im eigenen Leben eigentlich bedeutet – und dass man sie Tag für Tag neu üben darf.

    11. Weiterführende Informationen

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    💭 Denk daran: Das hier sind Impulse.
    Nimm dir einen Moment – prüfe, hinterfrage und spüre, was für dich stimmig ist.
    Bleib neugierig. Nimm mit, was dich weiterbringt; der Rest darf ziehen.


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